Nachdem in den letzten Tagen es (anonyme) öffentliche Kritik rund um die Tagung zur Psychotherapieforschung und auch eine entsprechende Stellungnahme der Institutsleitung, wollen wir das hier noch einmal dokumentieren. Folgender Brief erreichte uns mit Bitte zur Weiterleitung und wurde außerdem an mehreren Stellen in der Uni aufgehängt:

WG: Ausbeutung studentischer Arbeitskräfte durch das Institut für Psychologie

Liebes Institut für Psychologie,
mit Befremden mussten wir Ihre Aussendung zur Suche nach Studierenden für die Raumbetreuung im Rahmen der sogenannten 8th European Conference on Psychotherapy Research zur Kenntnis nehmen. Sie suchten Studierende, die dafür Sorge tragen, dass “das technische Equipment für die Referenten (sic!) bereitsteht, sich um die Vor- und Nachbereitung der Räume (Ordnung der Tische und Stühle, Getränke bereitstellen) […] kümmern und [um] den Teilnehmern (sic!) bei der Orientierung im Haus behilflich zu sein.“ Als Gegenleistung boten Sie zuvorkommend den Teilnehmenden am Arbeitstag Verpflegung an, sowie der Eröffnung und einem Konferenztag kostenfrei beizuwohnen.

Zur Veranschaulichung haben wir uns stellvertretend für Sie die Mühe gemacht den Stundenlohn zu errechnen, der sich aus den eigentlichen Kosten eines Kongresstages für Studierende, 60 Euro, und den real zu leistenden elf Stunden (09:00 – 20:00 Uhr) ergibt, womit wir bei knapp 5,50 Euro pro Stunde wären – weit unter dem sonst vom Institut für studentische Hilfskräfte o.ä. bezahlten Lohn. Dies spielt aber ohnehin keine Rolle, da die Studierenden dieses Geld so oder so nicht ausgezahlt bekommen. Zur Auswahl der Studierenden, die diese unbezahlte Arbeit ableisten sollen, verlangen Sie ein Motivationsschreiben und ein Foto. Wir müssen also annehmen, dass die Bewerber_innen von Ihnen auch nach optischen Kriterien selektiert werden.

Die horrenden Teilnahmegebühren für Studierende sind symptomatisch für die Tendenz wissenschaftliche Diskurse im Elfenbeinturm unter strukturellem Ausschluss Studierender und nicht-akademischer Interessierter auszutragen. Für Praktiker_innen stellen Teilnahmegebühren (auch über 60 Euro) kein Hindernis dar sich zu beteiligen – wenn diese nicht sogar steuerlich abgesetzt werden können. Durch ihr Angebot machen Sie sich die prekäre Lage von Studierenden zu Nutze, die Anschluss an die professionelle Forschung nur um den Preis massiver Selbstausbeutung und Duckmäusertum erhalten können. Dadurch werden tendenziell kritische Meinungen von vorneherein ausgeschlossen und der Diskurs künstlich homogenisiert. Dies wird zusätzlich verstärkt, wenn Sie wie in diesem Fall im Vorfeld keinen inhaltlichen Austausch mit den Studierenden suchen, was einem autoritären Begriff von „Universität“ entspricht.

Dass es auch anders geht zeigen vergleichbare Kongresse wie z.B. die Joseph Sandler Psychoanalytic Research Conference 2014 in Frankfurt am Main, wo studentische Teilnehmende nur für die Büffetkosten von sieben Euro aufkommen mussten [1].

Wir fordern Sie auf, bei zukünftigen Kongresse, die sie als „Local Host“ in Klagenfurt ausrichten, Studentische Hilfskräfte angemessen zu entlohnen, die Teilnahme von interessierten Studierenden nicht durch die Höhe der Teilnahmegebühren faktisch zu verhindern und diesen auch inhaltliche Partizipation ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen,

einige Studierende am Klagenfurter Institut für Psychologie.

[1] http://dgpt.de/uploads/tx_cal/media/Sandler_Programm_2014.pdf

Nach unserer Weiterleitung an das Institut meldete dieses sich folgendermaßen:

Liebe Studierende,
ich habe gestern den offenen anonymen Brief gelesen, der massive Kritik an der Durchführung der Psychotherapietagung der Society for Psychotherapy Research übt, die heute beginnt.
Die Inhalte und Art der Kommunikation haben mich sehr bestürzt, da die Kritik vorwiegend auf Missverständnissen basiert, die in einer offenen Kommunikation schnell aus der Welt hätten geschaffen werden können.
Die SPR-Tagung ist ein Experten-Treffen von Psychotherapieforschern und somit schlecht mit anderen Tagungen vergleichbar, die mehr auf Öffentlichkeitsarbeit ausgerichtet sind und zudem staatlich gesponsert sind wie z. B. die genannte Sandler Tagung. Auf der SPR stellen alle Teilnehmer selbst etwas vor und haben dafür jeweils 15 Minuten Zeit. Damit ist die SPR der egalitärste Verband, den ich kenne, da hier StudentInnen, DoktorandInnen und ProfessorInnen absolut gleiche Redeanteile haben. Es gibt bislang tatsächlich aber kein Konzept der Integration von Undergraduates (mit dem StudentInnentarif sollen vorrangig DoktorandInnen angesprochen werden nach internationalem Sprachcode).
Da mir nicht bekannt war, dass seitens der Studierenden ein so großes Interesse an der Teilnahme besteht, möchte ich jetzt kurzfristig gern einen Studierendentarif für Undergraduates (also Studierende vor Abschluss des Masterstudiums) anbieten.
Studierende im Bachelor- oder Masterstudium an der AAU können sich heute ab 13h im Tagungsbüro (Mensagebäude) melden und dort für den Unkostenbeitrag für das Essen in Höhe von 25€ an der Tagung teilnehmen, die ab 17h im HS-A mit dem einzigen langen Vortrag beginnt.
Freundliche Grüße,