»Muss Psychotherapie politisch werden?« Podiumsdiskussion

Mittwoch, 29. März 2017, 19 Uhr, HS 4.

Mit dem neoliberalen Dogma der Selbstverwirklichung und der Individualisierung des Subjekts können auch dessen psychische Probleme ausschließlich individualisiert gedacht werden. Eva Illouz schreibt dazu: »Wenn ein Defekt immer repariert werden kann, dann muss er […] selbstgemacht sein, und wenn er selbstgemacht ist, dann kann er auch rückgängig gemacht werden.« [1] Je nach Lesart ausgerechnet oder kaum überraschend waren aus psychotherapeutischen Fachkreisen auf diese Entwicklungen bis vor kurzem keine expliziten Antworten zu hören; es fand lange keine aktualisierte Anknüpfung an die vielen politischen Diskurse statt, die es innerhalb der Psychotherapie bis Mitte der 1980er Jahre noch gab.
In letzter Zeit melden sich jedoch zunehmend Psychotherapeut_innen zu Wort, die dem Tabu einer politisch neutralen Therapie etwas entgegensetzen. Der Therapeut Richard Brouilette fragte Anfang vergangenen Jahres in der New York Times: »Should therapy strive to help a patient adjust, or to help prepare him to change the world around him?« [2] – und entfachte damit eine brandaktuelle Diskussion in Fachkreisen. Die psychotherapeutische Relevanz derartiger Fragestellungen wird auch im deutschsprachigen Raum aufgegriffen, u.a. Heiner Keupp beschreibt in einem aktuellen Interview: »Menschen, die in der Lage sind, ihre Probleme und Grenzerfahrungen mit anderen zu teilen, sind danach in der Lage, sich mit ihnen und anderen zusammenzuschließen und gemeinsam zu etwas ›Nein‹ zu sagen.« [3] Die Wichtigkeit einer derartigen Debatte zeigt sich angesichts der Funktion die Psychotherapie in Instanzen wie AMS, betrieblicher Selektion, Pensionssystem etc. hat: Eine politische Neutralität von Psychotherapeut_innen führt dazu, dass diese auf der Seite der Herrschenden stehen und so letztlich kein empathisches Angebot an ihre Patient_innen mehr bieten können.

Die Podiumsdiskussion möchte sich also ausgehend von der Behauptung, dass eine apolitische Psychotherapie die Subjektanforderungen des neoliberalen Kapitalismus reproduziert, der Frage widmen, ob und inwieweit Psychotherapie politisch werden muss und diese momentan beginnende Debatte an die Universität Klagenfurt/Celovec bringen.

Diskutieren wollen wir diese Frage(n) mit folgenden Psychotherapeut_innen:

Leonie Knebel, Kritische Psychologin, Verhaltenstherapeutin, promoviert zu subjektiven Depressionstheorien an der FU Berlin.

Johannes Ehrenthal, Professor für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse an der AAU Klagenfurt/Celovec, Psychotherapieforscher und psychologischer Psychotherapeut (TP).

Angelika Grubner, Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie), diplomierte Sozialarbeiterin, akademische Referentin für feministische Bildung und Politik, derzeit Studium der Philosophie an der Universität Wien. Autorin des Buches »Die Macht der Psychotherapie im Neoliberalismus« (Mandelbaum Verlag, 2017).

Literatur:

[1] Illouz, Eva (2011). Die Errettung der modernen Seele. Therapie, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe. Frankfurt am Main: Suhrkamp (pp. 327).
[2] Brouilette, Richard (2016). Why Therapists should talk politics. The New York Times, 15.03.2016. http://opinionator.blogs.nytimes.com/2016/03/15/why-therapists-should-talk-politics/
[3] Keupp, Heiner (2016). Runter von der Couch (Interview: Hans-Jürgen Arlt). OXI – Wirtschaft für Gesellschaft, 09.12.2016. https://oxiblog.de/runter-von-der-couch/

Petition: Klagenfurter Methodenlehrstuhl soll qualitativ bleiben!

Liebe Studierende,

Professor Mayring, der die Professur für Angewandte Psychologie und Methodenforschung innehat, wird Ende des Sommersemesters in Pension gehen. Mit seiner Pensionierung wird die Professur neu ausgeschrieben, somit entscheidet das Institut auch über die Ausrichtung der Professur für Angewandte Psychologie und Methodenforschung.

Wir als Studienvertretung setzen uns dafür ein, dass die Stelle wieder qualitativ ausgeschrieben wird und wehren uns gegen die Möglichkeit einer quantitativen Nachbesetzung.

Dafür brauchen wir eure Unterstützung, unter folgendem Link findet ihr unsere Petition, mit der wir dem Institut aufzeigen, dass ein Großteil der Studierenden diesen Wunsch teilt (eure Matrikelnummer und E-Mail Adresse werden nicht für andere UnterzeichnerInnen sichtbar sein).

https://www.petitionen24.com/qualitative_ausrichtung_der_methodenprofessur_an_der_aau?

Wir danken euch für eure Unterstützung!

Liebe Grüße
Eure Studienvertretung Psychologie

Workshop: Sexualtherapie

Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/946099962175838/
Du wolltest schon immer mal wissen, wie die Arbeit eines Sexualtherapeuten aussieht und findest, dass das Thema Sexualität in unserem Psychologiestudium viel zu wenig Raum bekommt?
Dann bist du hier genau richtig! Die Studienvertretung Psychologie und das Studierendenprojekt achtung°liebe laden euch ganz herzlich zu einem spannenden Vortrag rund um das Thema Sexualtherapie ein. Hierfür dürfen wir Herrn Mag. Waitschacher begrüßen, der in Klagenfurt als Sexualtherapeut tätig ist.
Wann: Samstag, 02. Juli 2016, 10.00 – 16.00 Uhr
Wo: K.0.01 (Stiftungssaal), Uni Klagenfurt
Du erhältst hierbei einen Einblick in die sexualtherapeutische Grundausbildung. Außerdem lernst du wichtige Aspekte zu den Bereichen Sexualanamnese, klassische Störungsbilder und zu diversen Interventionstechniken kennen. Natürlich bekommen hier auch die Themen Trans-, Inter- und Homosexualität genügen Raum.
Wir freuen uns auf euer Kommen!
Eure StV Psychologie & achtung°liebe

Stellenangebot: StudienassistentIn/ProjektmitarbeiterIn

StudienassistentIn/ProjektmitarbeiterIn
am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
Im interdisziplinären Projekt „Erinnerungsgemeinschaften in Kärnten. Nationalsozialismus und Zweiter
Weltkrieg im kollektiven Gedächtnis der Jugendlichen“ werden Ansätze und Methoden der Erziehungs- und
Bildungswissenschaft, der Geschichtswissenschaft, der Medien- und Kommunikationswissenschaft, der
Psychologie sowie der Friedenspädagogik kombiniert, um herauszufinden, wie in Kärnten/Koroška
Erinnerungen an und Bildungswissen über die Zeit des Nationalsozialismus an die EnkelInnengeneration der
ZeitzeugInnen weitergegeben werden und zugleich herauszuarbeiten, auf welche Weise diese Generation im
Erinnerungsdiskurs in Erscheinung tritt und das öffentliche und private Erinnern mitgestaltet.
Im Projekt ausgeschrieben wird eine Stelle als StudienassistentIn/ProjektmitarbeiterIn für den Zeitraum von
1. Juli bis 31. Dezember 2016 im Beschäftigungsausmaß von 10 Wochenstunden (Bruttolohn: 480,40€).
Tätigkeiten:
• Transkription von Interviews
• Unterstützung bei der qualitativen Auswertung (QCA-Map)
• Sammlung und Zusammenfassung von Methodenliteratur
• Sammlung und Zusammenfassung von Fachliteratur zum Thema
• Unterstützung bei der Herausgabe einer Publikation
Von den KandidatInnen erwünscht werden:
• Interesse an den Themen Erinnerungskultur, Nationalsozialismus und
Zweiter Weltkrieg und ihren Auswirkungen
• Interesse am interdisziplinärer Teamarbeit
• Kenntnisse / Erfahrung in qualitativer Methodik (insbesondere Auswertung)
• selbstständige Arbeitsweise
• gute Englischkenntnisse, Slowenischkenntnisse von Vorteil aber keine Voraussetzung
• Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Medien- und
Kommunikationswissenschaft oder Psychologie ab dem 4. Semester Bachelor oder Masterstudium
InteressenInnen senden bis einschließlich 12. Juni ein einseitiges Bewerbungsschreiben
und den Lebenslauf an Lena.Zachmann@aau.at. Das Schreiben soll beinhalten:
• Motivation für die Mitarbeit im Projekt
• Studienschwerpunkte
• evtl. Thema und Methodik der (geplanten) Abschlussarbeit
• Vorerfahrung mit / Kenntnisse von qualitativen Forschungsmethoden
Freundliche Grüße / lep pozdrav
das Projektteam Nadja Danglmaier, Johannes Dafinger,
Andreas Hudelist, Samo Wakounig, Daniel Wutti, Lena Zachmann

Erkenntnistheorie: eine Einführung in den Positivismusstreit

Erkenntnistheorie: eine Einführung in den Positivismusstreit

Freitag, 03. Juni 2016, 17 Uhr, Raum Z.1.29
Vortrag und Diskussion mit Dr. Dipl.-Psych. Moritz Thede Eckart

Ziel des Vortrags ist es, eine Einführung in die erkenntnistheoretischen Grundlagen positivistischer psychologischer Forschung zu bieten und diese ins Verhältnis zu den Annahmen und der Kritik der Frankfurter Schule zu setzen. Als Bezugspunkt wird der in der deutschen Soziologie geführte Positivismusstreit, also die Diskussion zwischen Vertretern des Kritischen Rationalismus und der Kritischen Theorie (u.a. geführt zwischen Popper und Adorno), genommen.
In diesem Vortrag geschieht dies aus der Perspektive der sich als naturwissenschaftlich verstehenden Psychologie – also explizit nicht aus externer geisteswissenschaftlicher Sicht. Es geht also nicht um die Vermittlung von Expert*innen Wissen, sondern vielmehr um eine Selbstreflexion der eigenen Methodik.

Veranstaltende: Referat für Gesellschaftspolitik, StV Psychologie und AK Kritische Psychologie Klagenfurt/Celovec

Gastvortrag: Fifty Shades of Grey – was uns Psychoanalyse und Feminismen darüber verraten können

Wir freuen uns, im Rahmen unserer Gastvorlesungsreihe auch MMag.* Utta Isop eingeladen haben zu können, die an der Uni schon einige Jahre lehrt und forscht! Sie wird sich in ihrem Vortrag der Romantriologie „Fifty Shades of Grey“ aus einer psychoanalytischen und feministischen Sichtweise mit Fokus auf Hierachien und Ausschluss annehmen:

„Der jüngste Welterfolg der Romantrilogie „Fifty Shades of Grey“ von E.L. James (2012) veranschaulicht die sexuellen Komponenten der lustvollen Prozesse des Hierarchisierens, Einschließens und Ausschließens. Er macht auch die Bedeutung dieser Prozesse für die Positionierung von Individuen innerhalb von Institutionen und Betrieben deutlich. Sehr schön und anschaulich werden hier die Verbindungen zwischen der Lust an den Prozessen des Hierarchisierens, Einschließens, und Ausschließens innerhalb der Institutionen und Konzerne mit den sexuellen Prozessen in sogenannten „privaten“ Beziehungen herausgearbeitet. Jessica Benjamin beschreibt in den „Fesseln der Liebe“ psychoanalytisch feministische Grundlagen für die Lust an Prozessen des Hierarchisierens, Einschließens und Ausschließens. Diese lassen sich mit Freud als „transformierte Mordlust“ deuten. Die BDSM-Bewegungen bieten einen Ausweg aus der Verdrängung der sexuellen Lust des Hierarchisierens, Einschließens und Ausschließens: durch das Coming-out.“

Mittwoch, 16.12.2015, 19 Uhr, HS 10 (Mensagebäude).

Gastvorlesung: Sozialpsychologie des Antisemitismus (M. Brunner)

Im Rahmen unserer Gastvorlesungsreihe ‚Psychoanalyse & Gesellschaft‘ wird auch Markus Brunner (u.a. Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien) zu uns kommen. Hier der Abstract seines Vortrags über psychologische Betrachtungenen gesellschaftlicher Phänomene und deren Grenzen am Beispiel des Antisemitismus:

„Ohne eine Analyse auch seiner affektiven Dimension ist der Antisemitismus nicht zu verstehen. Die psychoanalytisch orientierte Sozialpsychologie hat deshalb genau diese in den Blick genommen: Den Hass auf, die Angst vor und die wahnhaft verzerrte Wahrnehmung der Juden und Jüdinnen. In meinem Vortrag will ich eine psychoanalytische Annäherung an den Antisemitismus vorstellen und zu erklären versuchen, wie antisemitische Bilder individuell angeeignet werden und sich mit psychischen Konflikten verbinden und welche Rolle dabei massenpsychologische Prozesse spielen. Zugleich soll aber auch aufgezeigt werden, wo die Grenzen einer solchen psychologischen Perspektive liegen: Dass sie das gesellschaftliche Phänomen Antisemitismus ebenso wie die untersuchten innerpsychischen Konfliktlagen nicht als historische zu erfassen vermag. Der Vortrag soll also auch dazu dienen, das Verhältnis von Psychoanalyse und einer genuin historisch denkenden kritischen Gesellschaftstheorie genauer zu befragen.“

09. Dezember, 19 Uhr, HS 10.

Wir freuen uns auf euch!

Wissenschaft kaputt? Podiumsdiskussion zur Replizierbarkeit von psychologischen Studien

Wissenschaft kaputt? – Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Philipp Mayring und weiteren

18. November 2015, 19 Uhr, Raum Z.1.29

Eine Studie der Open Science Collaboration hat in diesem Jahr den Wissenschaftsbetrieb aufgewirbelt. Die Forscher_innen versuchten 100 psychologische Experimente zu replizieren, also unter gleichen Bedingungen zu wiederholen und zu sehen ob die Ergebnisse vergleichbar sind. Dies gelang nur bei etwas mehr als einem Drittel der Studien. Damit erweist sich die aktuelle experimentell forschende Psychologie – gemessen an eigenen Maßstäben – als wissenschaftlich fragwürdig. Doch auch andere wissenschaften müssen sich derzeit die Frage gefallen lassen, ob das was da als „harte“ Wissenschaft erscheint, messbare Ergebnisse, die in hübschen Grafiken aufbereitet werden, ihrem Anspruch gerecht wird. Im Rahmen der Veranstaltung möchten wir besprechen, inwieweit sich die aufgezeigten Probleme immanent, d.h. im Rahmen der experimentell-statistischen Methode lösen lassen oder ob tiefergehende methodische Konsequenzen zu ziehen sind.

Gastvorlesung: Psychoanalyse & Marxismus

Wir freuen uns sehr, im Rahmen unserer Gastvorlesungsreihe ‚Psychoanalyse & Gesellschaft‘ im Wintersemester 2015 Klaus Ottomeyer, emeritierter Professor für Sozialpsychologie an der Uni Klagenfurt, zum Thema Psychoanalyse und Marxismus hören zu können.

Die Versuche, die Psychoanalyse und einen kritischen Marxismus miteinander zu vermitteln, sind zahlreich. Sie reichen von unmittelbaren Freud-Schülern (Bernfeld, Reich u.a.) über die Frankfurter Schule, Erich Fromm, Peter Brückner und verschiedene Ansätze der Studentenbewegung bis hin zur Ethnopsychoanalyse und dem Szenischen Verstehen von Alfred Lorenzer. Ohne tiefere Kenntnisse der Psychoanalyse geht gar nichts. Aber die Vermittlung in Theorie und Praxis funktioniert nur, wenn man zwischen der Psychoanalyse und der Theorie des Kapitalismus eine Untersuchung der zwingenden Rollen, „Charaktermasken“ und Interaktionsformen einschiebt, unter welchen die Individuen agieren und gegen welche sie sich unter Umständen auch wehren können.

Die Veranstaltung wird am Mittwoch, 11. November 2015, ab 17 Uhr im Hörsaal 10 stattfinden. Wir freuen uns auf euch.

Infoveranstaltung entfällt – Feier findet statt!

Die Informationsveranstaltung am Mittwoch entfällt wegen eines terminlichen Missverständnisses. Die Feier findet wie gehabt ab ca. 19 Uhr, im ÖH-Wohnzimmer, zum Kennenlernen und Vernetzen statt.

Studierende in höheren Semestern sind explizit dazu eingeladen euch bei günstigen Getränkepreisen (Softdrinks gratis, Bier 1 €, Spritzer 1,5 €; Special: Mojito 3 €!) und Snacks (gegen Spende) in Klagenfurt / Celovec willkommen zu heißen!

Beratung und Information für euch ist dennoch möglich: ab Montag, 9 Uhr, Aula, gehen die WelcomeDays weiter!

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ÖH
ak kritische psychologie

Studienvertretung Psychologie
ÖH Klagenfurt/Celôvec
Universitätsstraße 65 - 67
9020 Klagenfurt am Wörthersee
Österreich

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